Saudi-Arabien beendet mBridge-Test nach Proof of Concept
Saudi-Arabien hat das grenzüberschreitende CBDC-Projekt mBridge verlassen. Laut einem Bericht der Financial Times bestätigte die saudische Zentralbank SAMA den Rückzug, nachdem sie zuvor als Vollteilnehmerin an dem China-gestützten Abwicklungssystem beteiligt war. Der Schritt rückt ein Projekt in den Fokus, das ursprünglich als technisches CBDC-Pilotprogramm gestartet war, inzwischen aber zunehmend geopolitisch gelesen wird.
Saudi-Arabien beendet Teilnahme nach Proof of Concept
SAMA war im Juni 2024 als Vollteilnehmerin bei mBridge eingestiegen. Die Beteiligung endete nach Abschluss eines Proof of Concept am 13. Mai 2025, wie die Financial Times unter Berufung auf eine Erklärung der Zentralbank berichtete. SAMA selbst stellte den Ausstieg als von Anfang an geplanten Schritt dar, nicht als kurzfristige Kurskorrektur.
Cointelegraph hatte die saudische Zentralbank um eine Stellungnahme gebeten, bis zur Veröffentlichung des Berichts jedoch keine Antwort erhalten. Damit bleibt die offizielle Version – geplanter Abschluss einer Testphase – die einzige belegte Erklärung für den Rückzug.
Was mBridge technisch und institutionell ist
mBridge wurde 2021 durch den BIS Innovation Hub gemeinsam mit den Zentralbanken Chinas, Hongkongs, Thailands und der Vereinigten Arabischen Emirate ins Leben gerufen. Ziel war es, grenzüberschreitende Zahlungen schneller und günstiger abzuwickeln. Anders als bei einem einzelnen Stablecoin können teilnehmende Zentralbanken auf einem gemeinsamen Ledger eigene digitale Währungen ausgeben und darüber sowohl Zahlungen als auch Devisentransaktionen abwickeln – ein Modell, das strukturell an das Konzept zentralbankgestützter grenzüberschreitender Abwicklung anknüpft, das derzeit auch andernorts erprobt wird.
Im Oktober 2024 erreichte das Projekt die Minimum-Viable-Product-Phase. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich übergab es daraufhin an die beteiligten Zentralbanken. Der damalige BIS-Generaldirektor Agustín Carstens erklärte laut Bericht, dieser Rückzug sei nicht politisch motiviert gewesen.
Geopolitische Aufmerksamkeit und Einordnungen
Trotz seiner primär technischen Ausrichtung steht mBridge seit Längerem unter Beobachtung amerikanischer Politiker. Ein Bericht der US-China Economic and Security Review Commission aus dem Jahr 2024 hielt fest, das Projekt könnte künftig als alternatives Abwicklungssystem für Staaten dienen, die US-Sanktionen umgehen wollen – eine Einschätzung, kein belegtes Faktum zur aktuellen Nutzung der Plattform.
Ein kausaler Zusammenhang zwischen dem saudischen Rückzug und politischem Druck aus Washington lässt sich aus der Primärquelle nicht ableiten. SAMA selbst führt den Ausstieg auf den planmäßigen Abschluss der Proof-of-Concept-Phase zurück.
Welche Bedeutung der Rückzug für CBDC-Zahlungsnetze hat
Der Ausstieg eines G20-Staates verändert die Zusammensetzung und Wahrnehmung von mBridge, ohne dass daraus unmittelbar eine Markt- oder Preiswirkung folgt. China, Hongkong, Thailand und die Vereinigten Arabischen Emirate bleiben Kernteilnehmer des Projekts, während sich die politische Debatte über CBDC-Infrastruktur jenseits etablierter, dollarzentrierter Zahlungswege fortsetzt.
Für institutionelle Beobachter bleibt vor allem relevant, wie sich private und regulierte Zahlungslösungen – etwa im Umfeld regulierter Stablecoin-Anbieter wie im Fall der jüngsten Finanzierungsrunde von dtcpay – neben staatlichen CBDC-Initiativen positionieren. Der Fall mBridge zeigt, dass grenzüberschreitende Abwicklungsprojekte zunehmend an geopolitischer statt rein technischer Bewertung gemessen werden.
Quelle: Cointelegraph
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