Bitcoin-ETFs liefern Rückenwind – Ausbruch bleibt unbestätigt

Okt 05, 2026 - 22:16
Bitcoin-ETFs liefern Rückenwind – Ausbruch bleibt unbestätigt

US-Spot-Bitcoin-ETFs verbuchten an den ersten beiden Handelstagen im Oktober Nettozuflüsse von 134,4 Millionen US-Dollar – ein Nachfrageindikator, der auf einen freundlichen Monatsstart hindeutet. Zugleich kühlten schwache US-Arbeitsmarktdaten die Erwartungen an eine Zinserhöhung der Federal Reserve ab. Der Rückenwind ist damit klar, doch ETF-Zuflüsse allein belegen noch keinen nachhaltigen Bitcoin-Ausbruch.

Bitcoin-ETFs starten Oktober mit 134,4 Millionen Dollar

Laut dem ETF-Tracker von Decrypt flossen den Fonds am Donnerstag, dem 1. Oktober, 102,7 Millionen US-Dollar zu. Am Freitag, dem 2. Oktober, kamen weitere 31,7 Millionen hinzu. Zusammengenommen ergibt das 134,4 Millionen US-Dollar an Nettozuflüssen zum Auftakt des Monats.

Zwei physische Bitcoin-Münzen auf schwarzem Hintergrund
Physische Bitcoin-Münzen als Symbol für die Kryptowährung

Der grüne Start folgte auf einen deutlichen Abfluss: Am 30. September zogen Anleger 148,7 Millionen US-Dollar aus den Fonds ab. Damit endete eine neuntägige Zuflussserie, die am 17. September begonnen hatte. Der Wechsel unterstreicht, wie rasch die täglichen ETF-Flows drehen können – und warum ein positiver Zweitageswert zunächst als Momentaufnahme zu lesen ist.

Der September fiel trotz dieses Monatsabschlusses stark aus. Mit 2,65 Milliarden US-Dollar Nettozuflüssen war er laut den von Decrypt angeführten SoSoValue-Daten der zweitbeste Monat seit Oktober 2025. Die Zuflüsse sind ein messbarer Hinweis auf institutionelle Nachfrage nach Bitcoin-Exposure, bilden aber nicht automatisch eine gleichmäßige Nachfrage über alle Handelstage ab. ETF-Zuflüsse und ihre Aussagekraft für die institutionelle Nachfrage bleiben deshalb getrennt vom kurzfristigen Kursverlauf zu betrachten.

„Uptober“ trifft auf eine verhaltene Jahresbilanz

Der Begriff „Uptober“ beschreibt den Ruf des Oktobers als einen der historisch stärkeren Monate für Bitcoin. Stephen Wundke von Algoz verweist laut Decrypt darauf, dass Bitcoin in den vergangenen zehn Jahren im Oktober im Schnitt um 18 Prozent zulegte. Diese Saisonalität liefert einen Kontext für die Stimmung, ist aber keine Prognose für den laufenden Monat.

Auch die Größenordnung der Fonds spricht für eine etablierte Nachfragebasis: Seit ihrem Start summieren sich die Nettozuflüsse laut Decrypt-Tracker auf 58,1 Milliarden US-Dollar; das Nettovermögen liegt bei 101,1 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig bleiben die ETF-Zuflüsse im laufenden Jahr unter einer Milliarde US-Dollar. Der kräftige September und der positive Oktoberauftakt stehen damit einer bislang vergleichsweise schwachen Jahresbilanz gegenüber.

Wundkes Einschätzung fällt kurzfristig konstruktiv aus: Er beschreibt die Positionierung der Händler als stärker auf weiteres Aufwärtspotenzial als auf Verluste ausgerichtet. Das ist eine Marktstimmung, kein Beleg für zusätzliche Käufe oder einen bereits bestätigten Trend. Entscheidend wird sein, ob die Flows über einzelne starke Tage hinaus Bestand haben.

Schwache Jobdaten senken die Zinserhöhungswetten

Der US-Arbeitsmarktbericht für September meldete lediglich 29.000 neu geschaffene Stellen; die Arbeitslosenquote stieg auf 4,2 Prozent. Die Angaben stammen vom Bureau of Labor Statistics. Nach Veröffentlichung des Berichts sank die von CME FedWatch ausgewiesene Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Oktober von 70 auf 14 Prozent.

Ein schwächerer Arbeitsmarkt nimmt der Fed tendenziell den Druck, die Zinsen weiter anzuheben. Das kann Risikoanlagen wie Bitcoin stützen, weil sich die Erwartungen an den Zinskurs und die Renditen auf die Bewertung nicht verzinster Anlagen auswirken. Für den Kryptomarkt zählt daher nicht nur der ETF-Zufluss, sondern auch, ob die Daten das Zinsbild weiter verändern. US-Wirtschaftsdaten, Renditen und Zinserwartungen bilden dabei einen zentralen Makrokanal.

Das Gebäude der US-Notenbank Federal Reserve in Washington bei Dämmerung.
Das Gebäude der Federal Reserve in Washington

Der unmittelbare Zusammenhang sollte dennoch nicht überzeichnet werden: Der Arbeitsmarktbericht erklärt den Rückgang der Zinserhöhungswetten, während die ETF-Daten eigenständig die Nettozuflüsse der Fonds abbilden. Beides fiel zeitlich zusammen und stützt das Marktumfeld, beweist aber nicht, dass die schwächeren Jobzahlen die ETF-Käufe ausgelöst haben. Auch die Verbindung zwischen ETF-Flows und US-Renditen hängt von der weiteren Makroentwicklung ab.

Bitcoin testete am Freitag, dem 2. Oktober, kurz 87.173 US-Dollar und blieb damit knapp unter dem September-Hoch von 87.354 US-Dollar. Am Sonntagmorgen, dem 4. Oktober, notierte der Kurs laut CoinGecko bei rund 85.000 US-Dollar und damit 0,5 Prozent höher als 24 Stunden zuvor. Der Rücklauf zeigt, dass der positive Makroimpuls bislang nicht ausreichte, um das vorherige Hoch klar zu überwinden.

Auch die auf der Prognoseplattform Myriad erfasste Einschätzung mahnt zur Vorsicht: Die dortigen Trader bezifferten die Wahrscheinlichkeit, dass Bitcoin 2026 kein neues Allzeithoch erreicht, auf 93 Prozent. Das ist eine Bewertung der Myriad-Teilnehmer und keine allgemeine Marktprognose. Der Gegensatz zum positiven ETF-Start macht die Lage deutlich: Nachfrage ist vorhanden, ein bestätigter Ausbruch aber noch nicht.

Als nächste Prüfsteine folgen der US-Verbraucherpreisbericht für September am 14. Oktober und die Fed-Sitzung am 28. Oktober. Bleiben die Inflationsdaten moderat und hält der Rückgang der Zinserhöhungswetten an, könnte das die Nachfrage nach Risikoanlagen weiter unterstützen. Drehen die Makrosignale dagegen wieder restriktiv, muss sich erst zeigen, ob die ETF-Zuflüsse stark genug sind, um den Monatsstart über einzelne positive Handelstage hinaus zu tragen.

The post Bitcoin-ETFs liefern Rückenwind – Ausbruch bleibt unbestätigt appeared first on Cryptonews Germany.