MoneyGram macht Überweisungsguthaben zur Visa-Zahlung

Sep 11, 2026 - 18:07
MoneyGram macht Überweisungsguthaben zur Visa-Zahlung

MoneyGram hat die MoneyGram Card gestartet, eine virtuelle Visa-Karte, die einen stablecoin-gestützten Dollarbestand aus der MoneyGram-App ausgibt. Der Dienst ist zunächst in Kolumbien live, Empfänger können ihr Guthaben dort direkt bei Visa-Händlern einsetzen, ohne es vorher in kolumbianische Pesos umzutauschen.

MoneyGram-Karte startet zunächst in Kolumbien

Die Karte funktioniert überall dort, wo Visa akzeptiert wird, online wie im stationären Handel. Zum Start läuft die Abwicklung über USDC; MoneyGram plant, die Karte künftig mit dem eigenen Stablecoin MGUSD zu betreiben, wie ein Unternehmenssprecher gegenüber The Defiant bestätigte.

Drei Anbieter stehen hinter dem Produkt: Crossmint stellt die Wallets, in denen die Guthaben liegen, die Gelder bewegen sich über das Stellar-Netzwerk, und Rain verbindet den Bestand mit dem Visa-Netzwerk. Die Karte soll in den kommenden Monaten auf weitere Märkte ausgeweitet werden. Wie andere stablecoin-gestützte Visa-Projekte zeigen, liegt die eigentliche Herausforderung solcher Karten meist in der Abwicklung und Finanzierung im Hintergrund, nicht in der reinen Front-End-Erfahrung.

Nutzer können sich zudem selbst Geld aus dem MoneyGram-Guthaben senden und lokale Währung in einer MoneyGram-Filiale abholen. Laut Crossmint betreibt MoneyGram mehr als 6.000 Standorte in Kolumbien.

Vom Remittance-Empfänger zum Kartennutzer

Die Karte hält Überweisungsgeld nach seinem Eingang bei MoneyGram, statt dass Empfänger es zwingend bar abholen und sofort umtauschen müssen. Bereits am 17. September 2025 hatte MoneyGram die Funktion für seine Kolumbien-App angekündigt, damals noch als künftig geplante Ausgabe in USD mit verknüpften Visa- oder Mastercard-Debitkarten.

Zum jetzigen Start ist die Funktion ausschließlich als Visa-Karte verfügbar. Eine physische Karte mit ATM-Abhebungen und Vor-Ort-Zahlungen ist für Ende 2026 vorgesehen, bis dahin läuft der Cash-out weiterhin über die MoneyGram-Filialen. Ähnliche Muster zeigen sich bereits bei anderen Stellar-basierten Zahlungslösungen, die Stablecoins zunehmend in bestehende Bankinfrastruktur einbetten.

MoneyGram wählte Kolumbien laut der Mitteilung von 2025 als eingehenden Remittance-Korridor, in dem der Peso gegenüber dem Dollar über das vergangene Jahrzehnt schwächer geworden ist. Kolumbien erhielt im Vorjahr 13,1 Milliarden US-Dollar an Rücküberweisungen, ein Plus von 10,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

MoneyGram und Rain betonen den erweiterten Nutzungsweg

Anthony Soohoo, Chairman und CEO von MoneyGram, ordnet die Karte als Erweiterung der Kontrolle über das eigene Geld ein: „We’re giving customers more freedom and control to manage their money, all in one place,“ sagte Soohoo laut MoneyGram. Rain beschreibt die Produktlogik im eigenen Launch-Post als Übergang, bei dem der Empfänger zum Kunden wird.

MoneyGram bedient laut eigenen Angaben mehr als 60 Millionen aktive Kunden in über 200 Ländern und Territorien. Die Karte baut damit auf einem Netzwerk auf, das bislang primär für die Bargeldauszahlung bekannt war.

Stablecoin-Bestand wird zur Zahlungsfunktion

Mit der Karte erweitert MoneyGram seine bisherige Rolle beim Geldempfang um das Halten und Ausgeben eines Dollarbestands innerhalb der App. Rain gibt an, dass die Karte an mehr als 175 Millionen Händlerstandorten einsetzbar ist, und MoneyGram sei auf dem Weg, rund 3 Milliarden US-Dollar seines jährlichen FX-Handels über Stablecoins abzuwickeln.

Gebühren fallen zum Start keine an: Weder Monats- noch Jahres- oder Kaufgebühren, nur eine Inaktivitätsgebühr greift laut Produktseite bei mindestens drei Monaten ohne Aktivität, deren Höhe nicht genannt wird. Das Muster passt zu einer breiteren Entwicklung, bei der Zahlungsnetzwerke wie zuletzt bei der Übernahme von Tazapay durch Circle Stablecoins direkt in Alltagszahlungen einbetten, statt sie nur als Abwicklungsschicht im Hintergrund zu nutzen.

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