Drei Personen im Zondacrypto-Fall festgenommen
Die polnische Staatsanwaltschaft hat im Zondacrypto-Komplex am 2. September die Festnahme von drei Personen bestätigt. Damit tritt eine der größten Kryptowährungs-Ermittlungen Mittelosteuropas in eine neue operative Phase ein, wobei weder die vollständige Identität einer der Festgenommenen noch der konkrete Inhalt der Vorwürfe bislang offiziell bestätigt wurden.
Drei Festnahmen im Zondacrypto-Verfahren
Laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft wurden die Personen mit den Initialen J.W., A.P. und R.Z. festgenommen. J.W. und A.P. nahmen Beamte der Polizeidirektion Katowice an ihren Wohnorten fest, R.Z. wurde von Beamten des Zentralen Büros zur Bekämpfung der Cyberkriminalität (CBZC) festgesetzt.
Bei parallel durchgeführten Durchsuchungen sicherten die Ermittler Bargeld, Schmuck einschließlich Uhren sowie Fahrzeuge. Diese Vermögenswerte sollen zur Sicherung möglicher künftiger Ansprüche dienen – ein Vorgehen, das in der Branche nach ähnlichen Fällen wie dem Datenleck bei Trezor zunehmend Standard wird, wenn Behörden Kundengelder nachverfolgen.
Die drei Festgenommenen sollen nun zur Außenstelle des Landeskriminalamtes für organisierte Kriminalität und Korruption der Staatsanwaltschaft in Katowice gebracht werden. Dort will man ihnen die Vorwürfe vorlegen – erst danach entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob sie Sicherungs- beziehungsweise Präventivmaßnahmen beantragt. Ein bereits gestellter Haftantrag ist derzeit nicht bestätigt.
BitBay, Zondacrypto und die offene Identitätsfrage
Die Initialen R.Z. und frühere Verbindungen von Rafał Zaorski zu BitBay und dessen Nachfolger Zondacrypto lenken die öffentliche Aufmerksamkeit auf den bekannten polnischen Börsenspekulanten. Die Staatsanwaltschaft hat jedoch nicht bestätigt, dass es sich bei R.Z. tatsächlich um Zaorski handelt.
Im April veröffentlichte die Zeitung „Rzeczpospolita“ nach eigenen Angaben Aufnahmen von Gesprächen zwischen Zaorski und dem seit 2022 verschwundenen BitBay-Gründer Sylwester Suszek, die laut Bericht auch der Staatsanwaltschaft vorliegen sollen. In den Aufnahmen soll Suszek Zaorski vorgeworfen haben, ihm Millionen Zloty zu schulden – ein Streit, der mit der Tätigkeit von Krypto Jam zusammenhing, einer von Zaorski geleiteten Firma zur Marktbelebung auf BitBay.
Zaorski bestätigte öffentlich eine Zusammenarbeit mit der Börse, stellte die Art seiner Beziehungen zu den damaligen Plattformverantwortlichen jedoch anders dar. BB Trade Estonia OÜ, Betreiber von Zondacrypto, verklagte Krypto Jam zivilrechtlich mit Forderungen von zunächst über 32 Millionen Zloty, darunter mehr als 6,2 Millionen Zloty sowie die Rückgabe von 150 Bitcoin. Im April wies ein Gericht die Forderung bezüglich der 150 BTC zurück, das übrige Verfahren läuft laut Bericht weiter.
Ende Juli wurde das separate Verfahren zu Kundenverlusten bei Zondacrypto mit dem seit 2022 laufenden Verfahren zusammengelegt. Die Staatsanwaltschaft untersucht dabei explizit auch die Gründung und den Betrieb von BitBay und Zondacrypto sowie mögliche Bezüge zum Verschwinden Suszeks – ein Themenfeld, das angesichts wachsender regulatorischer Aufmerksamkeit auch im Kontext des Clarity Act in den USA an Relevanz gewinnt.
Behörden sprechen von einem wichtigen Durchbruch
Generalstaatsanwalt Waldemar Żurek hatte bereits eine Woche vor den Festnahmen von einem „wichtigen Durchbruch“ gesprochen und weitere intensive Maßnahmen angekündigt. Die aktuellen Festnahmen lassen sich als Umsetzung dieser Ankündigung lesen.
Parallel zu den drei Festnahmen durchsuchte das CBZC auch die Büros des Polnischen Olympischen Komitees sowie des Amtes für Wettbewerb und Verbraucherschutz. Dort sicherten die Beamten Dokumente, denen die Staatsanwaltschaft Beweiswert zuschreibt.
Ermittlungen und mögliche nächste Schritte
Eines der Ermittlungsziele bleibt die Feststellung der Geldflüsse rund um Zondacrypto und die Rückgewinnung eines möglichst großen Teils der betroffenen Kundenmittel. Ob die möglichen Vorwürfe gegen R.Z. mit dem früheren Streit um Sylwester Suszek in Verbindung stehen, ist derzeit nicht bekannt.
Für den Kryptomarkt insgesamt liefert der Fall bislang keine belegte unmittelbare Preiswirkung. Entscheidend wird sein, welche Vorwürfe die Staatsanwaltschaft den drei Festgenommenen in Katowice tatsächlich vorlegt – und ob die Frage nach der Identität von R.Z. danach amtlich geklärt wird.
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