Türkei führt MENA-Kryptoaktivität mit knapp 200 Milliarden Dollar an
Das Bitcoin Policy Institute beziffert das jährliche On-Chain-Transaktionsvolumen in Nahost und Nordafrika (MENA) für den Zeitraum 2025–2026 auf geschätzte 350 Milliarden US-Dollar, nach rund 100 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022. Wichtig für die Einordnung: Es handelt sich um eine Schätzung für einen Zeitraum, nicht um eine bestätigte Summe eines abgeschlossenen Kalenderjahres, und Transaktionsvolumen bedeutet nicht automatisch neues Kapital oder mehr Nutzer in der Region.
MENA-Kryptoaktivität erreicht laut BPI geschätzte 350 Milliarden Dollar
Der zugrunde liegende Bericht des Bitcoin Policy Institute wurde am 4. September veröffentlicht, die vorliegende Auswertung stammt vom 7. September 2026. Die Zahl von 350 Milliarden US-Dollar ist eine Institute-Schätzung für den Zeitraum 2025–2026 und keine überprüfte Jahressumme.
Der Bericht legt laut Primärquelle keine vollständige Datengrundlage oder detaillierte Methodik offen, wie der Sprung von 100 auf 350 Milliarden Dollar berechnet wurde. On-Chain-Volumen erfasst zudem keine Investmentgewinne, keine eindeutigen Nutzer und kein tatsächlich neu in die Region fließendes Geld – Transfers zwischen börseneigenen Wallets und wiederholte Bewegungen derselben Assets können enthalten sein.
Zwei unterschiedliche Adoptionsmuster in der Region
Der Bericht unterscheidet klar zwischen zwei Dynamiken. In Ländern mit Inflation, Währungsabwertung, Kapitalbeschränkungen oder Konflikt nutzen Menschen Bitcoin und dollarbesicherte Stablecoins zur Werterhaltung und für Geldtransfers. Die Golfstaaten dagegen ziehen über regulierte Finanzzentren Börsen, institutionelle Handelsunternehmen und Tokenisierungsplattformen an.
Die Türkei bleibt nach dieser Definition mit einem jährlichen Volumen von knapp 200 Milliarden US-Dollar der größte Einzelmarkt der Region – getrieben von anhaltender Inflation und der Schwäche der türkischen Lira. Für Ägypten nennt der Bericht ein Wachstum des Peer-to-Peer-Bitcoin-Handels von mehr als 300 Prozent nach mehreren Abwertungen des ägyptischen Pfunds, allerdings ohne offengelegten Datensatz oder Messzeitraum – die Zahl sollte entsprechend als Schätzung des Instituts behandelt werden.
Saudi-Arabien, Katar und die VAE treiben den institutionellen Ausbau
Für Saudi-Arabien nennt das BPI ein Wachstum von 154 Prozent, für Katar 120 Prozent. Beide Werte stammen jedoch aus einer Chainalysis-Studie vom September 2024 und beschreiben keine neu gemessene Wachstumsrate für 2026 – das Institut hat sie zur Erklärung der längerfristigen Golf-Dynamik wiederverwendet.
Für die Vereinigten Arabischen Emirate schätzt das BPI ein Transaktionsvolumen von rund 150 Milliarden US-Dollar für 2025, mit einem Bitcoin-Anteil von 38 Prozent, Ether von 22 Prozent und dollarbesicherten Stablecoins von 30 Prozent. Diese Prozentwerte sind Institute-Schätzungen, keine offiziellen Regulatorzahlen. Regulatorisch verantworten die Virtual Assets Regulatory Authority in Dubai, der Abu Dhabi Global Market und die Zentralbank der VAE jeweils unterschiedliche Zuständigkeitsbereiche. Bahrain führte im Juli 2025 ein separates Modul für Stablecoin-Emittenten mit Vorgaben zu Reserven, Rücknahme, Governance und Aufsicht ein.
Konflikt als Treiber – aber kein unmittelbarer Safe Haven
Das BPI verknüpft die regionale Expansion mit Inflation, Währungsabwertung, staatlichen Technologieprogrammen und wachsender institutioneller Beteiligung. Nach der Eskalation der Israel-Iran-Konfrontation im Juni 2025 fiel Bitcoin zunächst gemeinsam mit anderen Risikoanlagen: Der Gesamtmarkt verlor laut Bericht rund 3,7 Prozent, Bitcoin etwa 2,3 Prozent, Ether 7,5 Prozent.
Anschließend verschob sich Kapital aus kleineren Token in Bitcoin, dessen Marktdominanz laut Bericht auf 64,8 Prozent stieg. Das stützt die These einer defensiven Positionierung gegenüber Altcoins, belegt aber nicht, dass Bitcoin konsistent wie ein klassischer sicherer Hafen reagiert.
Was die Schätzung für den Markt bedeutet
Die Zahlen deuten auf eine schnell wachsende Region für digitale Assets hin, müssen wegen Schätzcharakter und fehlender detaillierter Methodik jedoch vorsichtig interpretiert werden. Der Bericht trennt wertorientierte Nutzung in wirtschaftlich belasteten Ländern klar von institutioneller, regulierter Expansion in den Golfstaaten.
Das Institut erwartet, dass sich beide Entwicklungspfade fortsetzen – das ist eine Prognose, keine bestätigte Entwicklung. Künftiges Wachstum hängt laut Primärquelle von Regulierung, Bankzugang, Marktbedingungen und davon ab, ob Pilotprojekte in den Gulf-Staaten den Sprung in die kommerzielle Anwendung schaffen.
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