Ondos neue Notes geben KI-Exposure, aber keine Aktienrechte

Okt 06, 2026 - 14:32
Ondos neue Notes geben KI-Exposure, aber keine Aktienrechte

Ondo Finance hat am 6. Oktober 2026 mit Ondo Private Markets eine Plattform für tokenisierte Notes auf private Unternehmen gestartet. Die erste Note bildet die wirtschaftliche Wertentwicklung eines noch ungenannten Pre-IPO-KI-Unternehmens ab und soll berechtigten Nicht-US-Anlegern rund um die Uhren Sekundärhandel ermöglichen – vermittelt aber weder Aktienbesitz noch Aktionärsrechte.

Der Markteintritt verbindet Ondos bestehendes RWA-Geschäft mit privaten Technologiewerten. Entscheidend ist dabei nicht allein die Tokenisierung, sondern die konkrete Rechtsform: Anleger erwerben eine Forderung gegen den Emittenten, nicht Anteile an dem Unternehmen, auf dessen Stammaktien sich die Note bezieht.

Ondo startet tokenisierten Zugang zu privatem KI-Unternehmen

Die erste Note ist an ein führendes, aber bislang nicht namentlich genanntes KI-Unternehmen vor einem möglichen Börsengang gekoppelt. Ondo zufolge soll der Sekundärhandel noch in der Woche des 6. Oktober beginnen. Berechtigte Anleger können die Notes in Wallets mit eigener Verwahrung halten oder auf Sekundärmärkten handeln.

Nahaufnahme von Netzwerkswitches mit angeschlossenen Glasfaserkabeln in einem Rechenzentrum
Moderne Server-Infrastruktur in einem Rechenzentrum

Ein Verkauf soll damit grundsätzlich auch vor einem Börsengang möglich sein. Die Plattform erweitert so den handelbaren Zugang zu privaten Unternehmen, ohne deren tatsächliche Aktien auf die Blockchain zu übertragen. Das unterscheidet das Angebot von einer direkten digitalen Abbildung von Wertpapieren, bei der etwa tokenisierte Aktien und ihre regulatorische Behandlung getrennt betrachtet werden müssen.

Note statt Aktie: Was Anleger tatsächlich erhalten

Die Instrumente sind Verbindlichkeiten ihres Emittenten und keine Aktien der referenzierten Gesellschaft. Halter erhalten weder eine Eigentumsbeteiligung noch Stimmrechte oder andere Aktionärsrechte. Die Auszahlung soll sich daran orientieren, welcher Wert je Stammaktie bei einem qualifizierenden Liquiditätsereignis realisiert wird. Ein Börsengang kann darunterfallen; weitere Ereignisse richten sich nach den Bedingungen der jeweiligen Note.

Ondo hat den Emittenten der ersten Note und die vollständige Berechnungsformel bislang nicht öffentlich genannt. Anleger sollen vor einer Zeichnung Unterlagen zu den Token-Bedingungen, zum Zeichnungsvertrag und zu den Risiken erhalten. Die Onchain-Ausgabe ändert dabei nichts daran, dass die rechtliche Ausgestaltung von Wertpapieren maßgeblich bleibt – ein zentraler Punkt auch bei Fundraising unter Wertpapierregeln.

Der Zugang ist auf berechtigte Anleger in zugelassenen Rechtsordnungen und auf Nicht-US-Personen beschränkt. Die Notes sind nicht nach dem US Securities Act von 1933 registriert; dieses US-Bundesgesetz regelt unter anderem das Angebot und den Verkauf von Wertpapieren. Eine Handelsmöglichkeit rund um die Uhr hebt solche geografischen und rechtlichen Einschränkungen nicht auf. Zudem bedeutet 24/7-Handelbarkeit keine garantierte Liquidität: Dafür braucht es genügend Kauf- und Verkaufsinteresse.

Ondos bestehendes Tokenisierungsgeschäft bildet die Basis

Ondo Private Markets baut auf Ondo Stocks auf, das blockchain-basierte Zugänge zu börsennotierten Wertpapieren bietet. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung listete Ondos Website mehr als 450 tokenisierte Aktien und ETFs sowie rund 1,28 Milliarden US-Dollar TVL. Die Produkte waren auf Ethereum, BNB Chain und Solana verfügbar, jeweils unter geografischen Beschränkungen.

Die Konstruktion unterscheidet sich von den neuen privaten Notes: Ondo beschreibt die bestehenden Aktienprodukte als durch Wertpapiere und liquide Mittel bei US-Broker-Dealern gedeckt. Bei Private Markets erhalten Anleger dagegen eine vertragliche Forderung, deren Auszahlung an ein späteres Ereignis geknüpft ist. Wie bei anderen tokenisierten Vermögenswerten bleiben Prüfungen, Übertragungsbeschränkungen und die Abwicklung relevanter Ereignisse eigenständige Fragen neben der Blockchain-Technik.

Auch Ondos US-Geschäft ist davon zu trennen. Die SEC-registrierte Broker-Dealer-Tochter Oasis Pro Markets erhielt laut der Meldung im Juli FINRA-Genehmigungen für bestimmte Aktivitäten mit tokenisierten Wertpapieren in den USA. FINRA ist die US-amerikanische Selbstregulierungsorganisation für Broker-Dealer; diese Genehmigungen beziehen sich auf die dort genannten regulierten Tätigkeiten und machen das neue Nicht-US-Angebot nicht allgemein für US-Anleger verfügbar.

Weitere private Märkte sind geplant

Der amtierende CEO und Präsident Ian De Bode beschrieb das Produkt als Weg, Zugang zu privaten Unternehmen über rund um die Uhr verfügbare, permissionless Handelsinfrastruktur zu ermöglichen. Das bezieht sich auf die technische Marktstruktur und bedeutet nicht, dass jeder Anleger die Notes erwerben darf. Auch ist bislang nicht bekannt, ob das ungenannte KI-Unternehmen das Produkt gebilligt hat oder daran beteiligt ist.

Nach dem KI-Angebot plant Ondo weitere Exposures in Robotik, Cybersicherheit, Biotechnologie und Infrastruktur. Der Unternehmensblog nennt außerdem Verteidigung, Energie und Raumfahrt als mögliche Bereiche; konkrete Namen oder Starttermine liegen nicht vor. Die Ausweitung erschließt neue Referenzwerte für Ondos RWA-Geschäft, beseitigt aber nicht den grundlegenden Unterschied zwischen wirtschaftlichem Exposure und tatsächlichem Aktienbesitz.

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