Grinex bleibt außen vor: Japan erhöht den Druck auf Garantex
Japan hat Garantex Europe OU am 2. Oktober 2026 auf seine Liste für Vermögenssperren gesetzt. Die Maßnahme schließt eine weitere finanzielle Tür, beendet den Betrieb aber nicht automatisch: US-Behörden hatten die Domain bereits im März 2025 beschlagnahmt, während das US-Finanzministerium eine Verlagerung von Kundeneinlagen zur Nachfolgebörse Grinex beschreibt.
Japans Sanktionspaket reicht über Krypto hinaus
Garantex Europe OU steht auf Rang 402 des japanischen Sanktionsanhangs. Die Maßnahme ist Teil eines größeren Pakets gegen Russland und greift über das dortige Außenhandels- und Devisengesetz: Einwohner und Unternehmen in Japan benötigen eine Genehmigung, um Zahlungen an Garantex zu leisten oder bestimmte Einlagen-, Treuhand- und Darlehensgeschäfte mit dem Unternehmen einzugehen.
Wird die Genehmigung nicht erteilt, kommt dies praktisch einem Asset Freeze gleich. Für bestimmte Verpflichtungen aus Verträgen, die vor dem 2. Oktober geschlossen wurden, gilt eine begrenzte Übergangsregel, sofern sie vor dem 1. November erfüllt werden. Das Paket umfasst zudem Beschränkungen für 35 mit Russlands Ölhandel verbundene Schiffe sowie Exportbeschränkungen für vier Unternehmen außerhalb Russlands und Belarus.
Für Compliance-Teams zeigt der Fall, warum eine Prüfung nicht beim Namen einer Börse enden kann: Zahlungswege, Wallet-Beziehungen und verbundene Unternehmen sind ebenfalls relevant. Ähnliche Risiken bei der Prüfung von Krypto-Zahlungsströmen stehen auch im Mittelpunkt der Sanktionsprüfung von Krypto-Firmen.
Eine lange Sanktionsgeschichte – und ein vorbereiteter Nachfolger
Das US-Finanzministerium sanktionierte Garantex erstmals am 5. April 2022 wegen seiner Tätigkeit im russischen Finanzdienstleistungssektor. Nach Angaben des Ministeriums waren seit 2019 mehr als 100 Millionen US-Dollar an über Garantex abgewickelten Transaktionen mit Ransomware, Terrorismus und weiterer illegaler Aktivität verbunden. Die Blockchain-Analysefirma Elliptic bezifferte das verarbeitete Volumen auf mehr als 60 Milliarden US-Dollar nach den US-Sanktionen von 2022 und insgesamt mehr als 96 Milliarden US-Dollar.

Estland hatte Garantex zuvor wegen Mängeln bei der Geldwäschebekämpfung die Lizenz entzogen; später sanktionierte auch die Europäische Union die Börse. Im März 2025 beschlagnahmten der US Secret Service und ausländische Partner die Garantex-Domain. Die US-Justiz veröffentlichte Anklagen gegen die Führungskräfte Aleksandr Mira Serda und Aleksej Besciokov; Besciokov wurde in Indien festgenommen. Die Vorwürfe sind von den Sanktionen zu unterscheiden und belegen für sich genommen keine Verurteilung.
Der entscheidende operative Punkt liegt in der Verlagerung: Das US-Finanzministerium erklärte, Garantex-Mitarbeiter hätten Kundeneinlagen auf Grinex übertragen. Den dort zitierten Aufzeichnungen zufolge war Grinex bereits im Dezember 2024 in Kirgisistan gegründet worden – Monate vor der Beschlagnahme der Domain.
Am 14. August 2025 sanktionierte das US-Amt für die Kontrolle ausländischer Vermögenswerte (OFAC) Garantex erneut sowie Grinex, drei Führungskräfte und sechs verbundene Unternehmen in Russland und Kirgisistan; auch Exved wurde genannt. Japans Eintrag führt Grinex dagegen nicht auf und erfasst keine Krypto-Vermögenswerte außerhalb japanischer Zuständigkeit. Ein Name auf einer nationalen Sanktionsliste ist daher nicht gleichbedeutend mit einer globalen Sperre der zugrunde liegenden Infrastruktur.
Was der Fall für die Durchsetzung bedeutet
TRM Labs beschreibt das grundsätzliche Muster: Börsen, die mit Durchsetzungsmaßnahmen rechnen, können Ersatzplattformen vorbereiten und Kunden, Wallets sowie Handelsaktivität dorthin verlagern. Elliptics Volumenschätzungen unterstreichen, dass frühere Sanktionen Garantex nicht unmittelbar aus dem Markt drängten. Das japanische Vorgehen setzt nun einen zusätzlichen rechtlichen und finanziellen Zugang unter Druck, macht bereits abgewickelte Transaktionen aber nicht rückgängig.

Für Marktteilnehmer liegt die praktische Konsequenz in einer breiteren Sanktionsprüfung: Nicht nur Plattformnamen und Domains, sondern auch Nachfolger, Geldbewegungen und Verbindungen zu Wallets müssen bewertet werden. Das gilt besonders für Stablecoins, deren Nutzung in sanktionierten Zahlungsströmen eine zusätzliche Prüfspur schafft. Japans Maßnahme ist damit eine reale Einschränkung, aber kein Beleg dafür, dass die dahinterstehende Struktur vollständig stillgelegt wurde.
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