Circle: Nur drei der 25 größten Stablecoins sind MiCA-reguliert
Circle hat der Europäischen Kommission Änderungen an den MiCA-Regeln für Stablecoins vorgeschlagen. Der USDC-Emittent argumentiert, dass das Regelwerk zwar viele regulierte Anbieter hervorgebracht, aber nur wenige der größten globalen Token erfasst habe – mit Folgen für deren Angebot innerhalb der EU.
Die Stellungnahme zur MiCA-Überprüfung betrifft die Reservehaltung von USDC und EURC sowie deren grenzüberschreitende Ausgabe. Wie Decrypt berichtet, will Circle starre Bankeinlagenvorgaben durch flexiblere Liquiditätsanforderungen ersetzen und die gemeinsame Ausgabe eines Stablecoins durch EU- und ausländisch regulierte Unternehmen erhalten.
Welche MiCA-Regeln Circle ändern will
MiCA, der umfassende EU-Rechtsrahmen für Kryptowerte, verpflichtet E-Geld-Token-Emittenten laut der Stellungnahme zu einer Mindestquote von 30 Prozent ihrer Reserven in Geschäftsbankeinlagen. Bei als „significant“ eingestuften Token steigt diese Quote auf 60 Prozent. Circle hält diese Vorgaben für problematisch, weil sie seiner Einschätzung nach die Abhängigkeit von Kredit- und Kontrahentenrisiken im Bankensektor erhöhen können.
Statt eines festen Einlagenanteils unterstützt Circle gemeinsam mit der Europäischen Zentralbank einen flexibleren Liquiditätsstandard. Darüber hinaus fordert das Unternehmen, sowohl die Grenze von 35 Prozent für das Engagement gegenüber einem einzelnen Staat als auch die Begrenzung der Einlagen bei einer einzelnen Bank zu streichen. Die aktuellen Vorgaben würden große Emittenten dazu zwingen, ihre Reserven auf zahlreiche Banken zu verteilen.

Der zweite Schwerpunkt ist die „multi-issuance“: Dabei gibt ein in der EU zugelassenes Unternehmen einen Stablecoin gemeinsam mit einem ausländisch regulierten Gegenstück aus. Circle warnt, dass Einschränkungen dieses Modells Aktivitäten aus dem europäischen Aufsichtsrahmen hinaus und auf Offshore-Anbieter verlagern könnten. Die Forderung zielt damit nicht nur auf die Ausgestaltung der Reserven, sondern auch darauf, wie globale Token innerhalb der EU zirkulieren können.
Regulatorische Lücke bei globalen Stablecoins
Circle gibt den dollar-gebundenen USDC und den euro-gebundenen EURC heraus. Nach Angaben des Unternehmens sind von den 25 größten Stablecoins nach Marktkapitalisierung nur drei MiCA-reguliert. Diese Zahl bildet den Kern des Arguments: Die EU hat einen umfassenden Rahmen geschaffen, doch dessen Reichweite bei den global bedeutendsten Token bleibt aus Sicht des Emittenten begrenzt.
Für europäische Anbieter bedeutet MiCA zugleich verbindliche Vorgaben für Ausgabe und Aufsicht. Auch die MiCA-Aufsicht durch ESMA gehört zum institutionellen Rahmen, in dem über einheitliche Regeln und die Anwendung der Verordnung entschieden wird.
Was die Forderungen für den EU-Markt bedeuten
Für 2027 wird eine umfassendere Überarbeitung von MiCA erwartet. Bis dahin bleibt offen, ob die Kommission Circles Vorschläge übernimmt oder die bestehenden Reserve- und Konzentrationsgrenzen beibehält. Die eingereichte Stellungnahme ist eine Forderung des Unternehmens, keine bereits beschlossene Änderung der Regulierung.
Der Vorstoß fällt in einen Wettbewerb um die internationale Verbreitung von Stablecoins. Während US-Emittenten ihre Aktivitäten im Ausland ausbauen, werden dollar-gebundene Token in den USA zunehmend auch als Möglichkeit betrachtet, die globale Reichweite des Dollars zu stärken. Eine flexiblere Reservebehandlung und der Erhalt der Multi-Issuance könnten die Bedingungen für solche Token in Europa verändern; eine unmittelbare Ausweitung der USDC-Verfügbarkeit lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Für die grenzüberschreitende Nutzung bleibt entscheidend, welche Regeln die Kommission letztlich festlegt und wie sie Aufsicht sowie Rücknahmeverpflichtungen ausgestaltet. USDC wird bereits in Zahlungsinitiativen mit etablierten Finanzunternehmen eingesetzt, darunter eine USDC-Abwicklung mit Lloyds und Visa. Ob MiCA solche Anwendungen in der EU erleichtert, hängt davon ab, ob die künftigen Vorgaben globale Ausgabe zulassen und zugleich klare Anforderungen an Liquidität und Reservehaltung sichern.
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