Krypto-Trust-Charters: ICBA stellt Zugang zu US-Bankstrukturen infrage

Okt 03, 2026 - 09:11
Krypto-Trust-Charters: ICBA stellt Zugang zu US-Bankstrukturen infrage

Die Independent Community Bankers of America (ICBA) verklagt das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) wegen nationaler Trust-Charters für Krypto-Unternehmen. Der Bankenverband wirft der US-Aufsicht vor, ihre gesetzlichen Befugnisse überschritten zu haben. Im Zentrum steht damit nicht ein belegter unmittelbarer Kurseffekt, sondern die Frage, unter welchen Bedingungen Krypto-Anbieter Zugang zu regulierten US-Bank- und Verwahrungsstrukturen erhalten.

Die Klage wurde laut CoinDesk am Freitag, dem 2. Oktober, vor einem Bundesgericht eingereicht. Die ICBA argumentiert, die spezialisierten Institute unterlägen nicht denselben regulatorischen Anforderungen wie Community-Banken und erhielten dadurch einen erheblichen Wettbewerbsvorteil.

Worum es im Streit geht

Konkret verweist die ICBA auf Unterschiede bei Kapital- und Liquiditätsanforderungen, Aufsicht und der Versicherung durch die Federal Deposit Insurance Corp. (FDIC). Die FDIC ist die US-Einlagensicherungsbehörde; der Verband sieht in den abweichenden Verpflichtungen eine Benachteiligung kleinerer Banken, deren Geschäftsmodelle stärker auf klassische Bankdienstleistungen ausgerichtet sind.

Das OCC vergibt weiterhin Trust-Charters an Krypto-Unternehmen. Diese Institute bieten nach dem Bericht jedoch keine Bargeld-Einlagenkonten an und verfolgen nicht dasselbe Geschäftsmodell wie typische Community-Banken. Damit steht neben der rechtlichen Zuständigkeit auch die Abgrenzung der Tätigkeiten im Raum: Die ICBA fordert gleiche Maßstäbe, während die Unterschiede zwischen den Geschäftsmodellen für die Bewertung des Wettbewerbs relevant bleiben.

Schild des Office of the Comptroller of the Currency am One Independence Square
Das Hauptquartier des Office of the Comptroller of the Currency (OCC)

Für Krypto-Anbieter ist der Zugang zu regulierten Verwahrungsstrukturen ein Teil der institutionellen Infrastruktur. Die Anforderungen an die regulierte Krypto-Verwahrung sind deshalb auch für die Einordnung des Streits relevant: Eine Trust-Charter ist nicht gleichbedeutend mit einer klassischen Banklizenz oder einer Einlagensicherung für Kundengelder.

Einordnung in den politischen Konflikt

Die ICBA gehört zu den großen Bankenverbänden der USA und vertritt typischerweise kleinere Institute. Ihr Widerstand gegen Krypto-Trust-Charters steht im Zusammenhang mit einem breiteren Konflikt über die Rolle digitaler Vermögenswerte im Finanzsystem. Der Verband hatte auch den Digital Asset Market Clarity Act kritisiert, der im September im US-Senat nicht vorankam. Zu den Streitpunkten zählten Bedenken, Stablecoin-Regeln könnten Banken nicht ausreichend vor Konkurrenz um Einlagenkonten schützen.

Zu den im Bericht genannten Krypto- oder Digital-Asset-bezogenen Instituten zählen Protego und Erebor sowie Unternehmen aus dem bestehenden Kryptosektor wie Coinbase, Circle und Crypto.com. Auch World Liberty Financial wird als jüngerer Fall genannt; die Genehmigung seiner Charter hatte Kritik der demokratischen Senatorin Elizabeth Warren ausgelöst. Davon zu unterscheiden ist OpenReserve Bank, der das OCC im September eine vollwertige nationale Banklizenz erteilte.

Was der Ausgang für Anbieter bedeuten könnte

ICBA-Präsidentin und CEO Rebeca Romero Rainey vertritt die Position, der Kongress habe die nationale Trust-Charter nicht als Zugang für Krypto-Unternehmen geschaffen, die dadurch die Glaubwürdigkeit einer bundesweiten Banklizenz erhielten. Sie verweist dabei auf die aus ihrer Sicht unterschiedlichen Pflichten bei Kapital, Liquidität, Aufsicht und FDIC-Versicherung. Ein Sprecher des OCC erklärte gegenüber CoinDesk, die Behörde äußere sich nicht zu laufenden Rechtsstreitigkeiten.

Paige Pidano Paridon vom Bank Policy Institute unterstützt neue Produkte und Dienstleistungen im regulierten Bankensystem, sofern die Anbieter denselben Regeln und Verantwortlichkeiten unterliegen wie andere Institute mit vergleichbaren Tätigkeiten. Für Unternehmen, die klassische Bankgeschäfte betreiben wollen, plädiert sie für vollständige Banklizenzen.

Der Prozess betrifft somit die rechtliche Grundlage und Wettbewerbsbedingungen für eine wachsende Gruppe spezialisierter Anbieter, nicht eine nachgewiesene Veränderung von Kryptopreisen. Sollte die ICBA mit ihrer Klage Erfolg haben, könnte das den Zugang zu solchen Strukturen oder ihre regulatorische Behandlung beeinflussen; welche Folgen das für bereits aktive Institute hätte, ist aus den bislang belegten Informationen nicht abzuleiten. Die weitere Debatte über Zuständigkeiten und Regeln für digitale Vermögenswerte bleibt damit auch für den regulatorischen Rahmen in den USA relevant.

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