Revolut peilt US-Bankstart für 2027 an

Sep 04, 2026 - 10:23
Revolut peilt US-Bankstart für 2027 an

Revolut hat von der US-Aufsicht Office of the Comptroller of the Currency (OCC) eine bedingte Vorabfreigabe für eine nationale Banklizenz erhalten. Das ist ein wichtiger Zwischenschritt, ersetzt aber noch nicht die finale Autorisierung, denn weitere US-Aufsichtsstellen müssen ihre Prüfungen erst abschließen.

OCC erteilt Revolut nur eine vorläufige Bankfreigabe

Konkret handelt es sich um eine Genehmigung für eine sogenannte Bank-Charter, die erst nach Abschluss aller erforderlichen Schritte vollständig autorisiert würde. Erst wenn die Lizenz rechtswirksam vollzogen ist, könnte Revolut versicherte Einlagen für US-Kunden anbieten und damit einen Teil der bisherigen Abhängigkeit von regulierten Partnerbanken abbauen.

Für die Strategie zählt vor allem der Zeithorizont: In den kommenden Monaten steht weniger die generelle Erlaubnisfrage im Vordergrund als die praktische Vorbereitung auf einen Rollout in den USA. Revolut erwartet den Markteintritt in der ersten Jahreshälfte 2027 und will sich zunächst vor allem an Expats mit Multi-Währungs-Konten richten – eine Zielgruppe, für die ein solches Ankerprodukt typischerweise besonders anschlussfähig ist.

Welche Auflagen und nächsten Prüfungen anstehen

Nach aktuellem Stand wartet Revolut weiterhin auf regulatorische Freigaben durch die Federal Deposit Insurance Corporation und die Federal Reserve. Zusätzlich muss die OCC ihre eigene Zustimmung noch vervollständigen, bevor die Charter final autorisiert ist – eine vorläufige Genehmigung öffnet den Pfad, ersetzt aber nicht die abschließende Prüfung der weiteren Aufsicht.

Black and white wide shot of the brutalist architecture of the Federal Reserve Board building in Washington, D.C.
Photo by Zion Smith on Pexels

Mit einer voll autorisierten Charter würde sich Revolut stärker als bisher an banktypischen Pflichten ausrichten müssen. Dazu zählen die Behandlung von Kundeneinlagen mit entsprechendem Versicherungs- und Governance-Rahmen sowie die Umstellung von Prozessen, die bislang häufig über Partnerinstitute abgewickelt wurden – Bilanzierung, Liquiditätsmanagement und die strukturelle Integration in das US-Regelwerk verschieben sich damit direkt in Revoluts eigene Verantwortung. Wie unterschiedlich US-Regulatoren derzeit an neue Marktteilnehmer herangehen, zeigt sich auch im parallelen Ringen um klare Krypto-Regulierung auf Bundesebene.

Duransoy betont Innovation, aber keinen geringeren Prüfaufwand

US-Chef Cetin Duransoy nennt die erste Jahreshälfte 2027 als Zielmarke für den Bank-Start. Er beschreibt die US-Behörden unter den aktuellen Rahmenbedingungen als Innovationen gegenüber aufgeschlossen und sieht eine größere Produktauswahl für Verbraucher und Unternehmen grundsätzlich positiv.

Gleichzeitig macht er klar, dass diese Offenheit nicht mit einem geringeren Arbeitsaufwand bei der Bearbeitung des Antrags gleichzusetzen ist. Für die Praxis heißt das: Revolut muss trotz positiver Signale belastbar zeigen, dass Banksteuerung, Risikokontrollen und Compliance-Prozesse den Anforderungen der US-Bankenregeln entsprechen.

US-Start mit breitem Produktplan, aber ohne sofortige Hypotheken

Zum Start plant Revolut eine Palette klassischer Bankprodukte: Checking- und Savings-Konten, Kreditprodukte, Ratenkredite sowie Kreditkarten. Stablecoins und Business Banking sollen erst in einer späteren Phase folgen – der Plan ist mehrjährig strukturiert, nicht als einmaliger Komplett-Launch gedacht.

Ein klarer Abgrenzungspunkt sind Hypotheken: Sie waren nicht Teil des dreijährigen Regulatorik-Plans und sollen erst ergänzt werden, sobald entsprechende Tests in anderen Märkten stattgefunden haben. Ein pragmatischer Schritt, weil Hypotheken meist eine besonders komplexe Kreditprüfung, langfristige Risikomodelle und eine robuste Daten- und Prozesskette erfordern. Wie sich regulatorische Zeitpläne in den USA generell verschieben können, zeigt aktuell auch die Debatte um den Abstimmungskalender zum Clarity Act.

Entscheidend für die nächsten Monate bleibt damit vor allem, ob die ausstehenden Freigaben von FDIC und Federal Reserve die vorläufige OCC-Entscheidung in eine finale Autorisierung überführen. Erst dann könnte Revolut sein Ziel erreichen, US-Kunden Bankprodukte ohne den Umweg über Partnerinstitute anzubieten.

Quelle: IT Boltwise

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