20 Jahre Schutz für die US-Bitcoin-Reserve geplant
Der House Financial Services Committee im US-Repräsentantenhaus berät am Mittwoch, den 16. September 2026, über H.R. 8957, den American Reserve Modernization Act of 2026. Der Gesetzentwurf würde die bestehende Strategic Bitcoin Reserve der US-Regierung für mindestens 20 Jahre vor Verkäufen, Swaps oder Trades schützen – neue Käufe am offenen Markt ermöglicht er ausdrücklich nicht.
H.R. 8957 soll die bestehende Bitcoin-Reserve für 20 Jahre sichern
Republikaner Nick Begich aus Alaska brachte den Entwurf am 21. Mai 2026 ein, Demokrat Jared Golden aus Maine tritt als Co-Leader auf, unterstützt von mehr als 20 weiteren Co-Sponsoren. Für den 16. September ist im Ausschuss lediglich die Beratung (Markup) angesetzt – eine Abstimmung über den weiteren Verlauf im Repräsentantenhaus steht damit noch nicht fest.
Inhaltlich verlangt der Entwurf, dass Bitcoin in der Reserve für mindestens 20 Jahre weder verkauft, getauscht noch anderweitig gehandelt werden darf. Hinzu kämen vierteljährliche Proof-of-Reserve-Berichte durch unabhängige Drittprüfer, während das Finanzministerium nach Inkrafttreten 180 Tage Zeit hätte, eine sichere Verwahrstelle einzurichten. Auch Bitcoin aus Forks oder Airdrops müsste künftig erfasst werden. Wie der CLARITY Act zeigt, ist dies nicht das einzige Gesetzesvorhaben, das gerade versucht, digitale Vermögenswerte in klar definierte regulatorische Bahnen zu lenken.
Die Reserve stammt überwiegend aus Beschlagnahmungen
Präsident Trump schuf die Strategic Bitcoin Reserve am 6. März 2025 per Executive Order 14233. Die vom Finanzministerium verwaltete Reserve speist sich aus straf- und zivilrechtlichen Einziehungsverfahren, gekauft wurde nach Angaben des Primärberichts nichts davon am offenen Markt. Die größte Einzelzuführung stammt aus der Einziehung der Prince Group mit 127.271 BTC, gefolgt von der Silk-Road-Einziehung mit 69.370 BTC.
Die Reserve umfasst schätzungsweise rund 198.000 BTC – ein unabhängiges Audit hat diese Zahl bislang nicht bestätigt. Eine separate Digital Asset Stockpile hält zudem beschlagnahmte ETH, SOL, XRP und ADA unter eigenen Regeln; diese rund 328.372 BTC über mehrere Bundesbehörden hinweg sind nicht mit der eigentlichen Reservegröße gleichzusetzen.
Bessent lehnt Käufe ab – der Kaufplan ist ein anderes Gesetz
Finanzminister Scott Bessent stellte bereits im August 2025 klar, dass die USA won’t be buying weitere Bitcoin – eine Aussage, die sich auf neue Ankäufe bezog und nicht als Reaktion auf die aktuelle Ausschuss-Beratung zu verstehen ist. Die Frage nach zusätzlichen Käufen bleibt Sache eines separaten Vorhabens: des BITCOIN Act, den Senatorin Cynthia Lummis als S.954 und Nick Begich als H.R. 2032 eingebracht haben und der 200.000 BTC jährlich über fünf Jahre bis zu einer Million BTC vorsieht. Eine Anhörung dazu steht noch aus.
Auch Warren Davidsons Bitcoin for America Act (H.R. 6180), der Steuerzahlungen in Bitcoin ermöglichen würde, ist bislang ins Stocken geraten. H.R. 8957 bewegt sich damit klar auf einer anderen Ebene als diese Kaufinitiativen.
Begrenzter Angebotseffekt, größere rechtliche Beständigkeit
Selbst bei Verabschiedung würde ARMA der Regierung keine Befugnis zu Käufen am offenen Markt geben und keine Steuermittel dafür bereitstellen. Wachsen könnte die Reserve nur über künftige Einziehungen oder Erlöse aus Verkäufen der Digital Asset Stockpile. Die rund 198.000 BTC entsprechen ohnehin nur etwa 0,94 Prozent der maximal 21 Millionen möglichen Bitcoin – der unmittelbare Angebotseffekt bleibt also begrenzt, zumal das Finanzministerium ohnehin nicht verkauft.
Nach der Ausschussberatung stünden noch eine Abstimmung im gesamten Repräsentantenhaus, die Behandlung im Senat und die Unterschrift des Präsidenten aus. Zeitlich fällt der 16. September zudem mit dem Fed-Zinsentscheid um 14 Uhr ET zusammen – ein Ereignis, das den Bitcoin-Kurs nach Einschätzung des Primärberichts stärker bewegen dürfte als die Ausschuss-Beratung selbst. Wie stark makroökonomische Entscheidungen und regulatorische Unsicherheit kurzfristig auf den Markt wirken, zeigt sich auch an den jüngsten Reaktionen bei Open Interest und Kurs rund um den CLARITY Act. Für institutionelle Nachfrage über ETF-Zuflüsse bleibt ohnehin die Preis- und Angebotsseite entscheidend, wie zuletzt die Bewegungen bei Bitcoin-ETF-Abflüssen und Ether-Zuflüssen verdeutlicht haben.
Im Kern geht es am 16. September also nicht darum, den Bestand zu vergrößern, sondern darum, ihn schwerer angreifbar zu machen. Sollte H.R. 8957 den Ausschuss passieren, wäre das ein Signal für die politische Verankerung – ein fertiges Gesetz ist es damit noch lange nicht.
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